Geschichte

Vom Krankenhaus zum Altenpflegeheim – das Karl-Olga-Haus wurde bereits im August 1892 eingeweiht

Bis zum Jahr 1892 gab es in Friedrichshafen das Heilig-Geist-Spital an der Seestraße, das zum einen Krankenhaus, zum anderen Altersheim und Asylstätte für Arme war. Urkundliche erwähnt ist das Spital erstmals 1427.

Die räumliche Enge, die zunehmenden Belegungszahlen und die Unterbringung von Kranken und Gesunden in einem Haus bargen ein hohes Ansteckungsrisiko. Die Zustände wurden unhaltbar, finanzielle Gründe verhinderten jedoch den notwendigen Neubau.

1887 entschieden sich die bürgerlichen Gremien, das Spital zu ersetzen. Eine Erweiterung des Heilig-Geist-Spitals wurde schnell verworfen, da damit die bestehenden Probleme nicht gelöst werden konnten. Eine entscheidende Rolle spielte auch die Einführung einer Dienstbotenkrankenkasse und der Bezirkskrankenkasse (1884, heute AOK), durch die immer mehr Kranke behandelt wurden.

König Karl und Königin Olga legten den finanziellen Grundstein des Neubaus: Sie verzichteten auf die Feierlichkeiten zum Regierungsjubiläum und zahlten den eingesparten Betrag in einen Fond für den Krankenhaus-Neubau. Sie gaben so den Anstoß zur Bildung eines Baufonds und wurden dafür im neuen Namen bedacht, dem „Karl-Olga-Krankenhaus“.

Bald folgten größere Spenden verschiedener Personen und Staatszuschüsse, mit denen 55.600 Mark von insgesamt 80.000 Mark Baukosten angespart wurden. 1890 konnte das Grundstück an der heutigen Ailinger Straße für 6.200 Mark erworben und im Frühjahr mit dem Bau nach Plänen des Regierungsdirektors Leibbrand in Stuttgart unter Leitung von Stadtbaumeister Batzill begonnen werden.

Am 16. August 1892 wurde das „Karl-Olga-Krankenhaus“ feierlich eingeweiht. Das neue Haus verfügte über 25 Betten, die damals für rund 3.500 Einwohner als ausreichend betrachtet wurden. Die Pflege übernahmen Vinzentinerinnen aus Untermarchtal, die seit 1871 in Friedrichshafen in der Krankenpflege tätig waren.

1899 wurde an die Ostseite des Hauses eine Kapelle angebaut, die aber bereits 1912 wieder abgebrochen wurde, da das Krankenhaus erweitert werden musste. Das Bevölkerungswachstum wirkte sich auch auf den Bedarf an Krankenhausbetten aus. Die abgerissene Kapelle wurde auf der Nordwestseite vergrößert wieder errichtet, wo sie auch heute noch steht. 1913/14 konnte das Karl-Olga-Krankenhaus im Osten verlängert und so um 70 neue Betten erweitert werden.

Der Erste Weltkrieg brachte für das Haus einschneidende Änderungen, da zahlreiche Verwundete versorgt werden mussten. Zusätzlich wurden sogar einige „Reserve-Lazarette“ eingerichtet.

1929/30 wurde die Wöchnerinnen-Abteilung aufgestockt und 1937/38 der heutige Ostflügel angebaut, wodurch insgesamt 210 Betten zur Verfügung standen.

Im Laufe des Zweiten Weltkriegs wurde das Karl-Olga Krankenhaus teilweise zerstört, insbesondere beim Luftangriff am 28. April 1944, der große Teile der Stadt Friedrichshafen traf. Die Kranken mussten verlegt werden.

Nach dem Krieg wurden diese Schäden Zug um Zug beseitigt, um den Krankenhausbetrieb wieder zu ermöglichen. 1957/58 entstand die sogenannte „Isolierstation“, 1964 ein Personalwohnhaus für Schwestern und 1966 an der Ostseite des Krankenhauses ein Zweckbau. Zuletzt hatte das Krankenhaus 260 Betten, war aber immer noch zu klein, um die wachsende Bevölkerung zu versorgen.

Nach längeren Überlegungen baute die Stadt ein neues Krankenhaus mit 460 Betten bei Manzell, wo schon 1941 der künftige Krankenhausstandort vorgesehen war. Im Juni 1975 wurde das Krankenhaus eingeweiht werden, dessen Bau 127 Millionen Mark kostete.

Schon lange vor dem Umzug des Krankenhauses wurde über die weitere Verwendung und den künftigen Namen nachgedacht. 1976 beschloss der Gemeinderat den Umbau des Karl-Olga-Hauses, in dem Generationen von Friedrichshafenern geboren wurden. Es sollten im Westteil des Karl-Olga-Hauses 50 Betten für die Altenpflege entstehen und im Ostteil 30 chronisch- und Langzeitkranke Platz finden. Daneben war geplant, die urologische Belegabteilung des Krankenhauses mit 25 Betten, im Karl-Olga-Haus zu belassen. Der Umbau war mit rund 3,5 Millionen Mark veranschlagt, wobei das Land Baden-Württemberg und der Bodenseekreis jeweils Zuschüsse gaben.

Letztendlich entschloss sich der Gemeinderat, die urologischen Belegabteilung doch im neuen Krankenhaus unterzubringen, die im August 1977 umzog und mehr Platz für den Altenhilfebereich ließ.

Nach dem Umzug des Krankenhauses waren mehrere Planungsänderungen für das Karl-Olga-Haus erforderlich:

In konzeptioneller Zusammenarbeit mit dem Kuratorium Deutsche Altershilfe Köln wurden 1977 mit dem Ausräumen und der Demontage begonnen, im darauffolgenden Jahr mit den Abbruch-, Beton- und Maurerarbeiten. Die Planung wurde auf Wunsch des Gemeinderats nochmals verändert. Während der Bauarbeiten wurden zahlreiche Schäden sichtbar, die eine Erhöhung der veranschlagten Kosten von rund vier Millionen auf sechs Millionen Mark notwendig machten.

Vom Keller bis zum Dach musste jedes Geschoss umgebaut werden: Im Hauptbau wurden die meisten Fußböden ersetzt, fast jeder Raum offenbarte einen anderer Unterbau – vom Holzestrich über Schlacke und wurmstichiges Gebälk bis zu zerbröseltem Beton. Teilweise mussten Doppel-T-Träger zur Unterstützung eingebaut werden. Die alten Fenster waren undicht und nur schwer zu öffnen und auch die Türen mussten erneuert und versetzt werden. Ein Großteil der Rohre und Abwasserleitungen war völlig verrostet. Die Neugestaltung der Zimmer machte Wandversetzungen und abgehängte Decken notwendig. Im Erdgeschoss entstanden Verwaltungsräume, Auskunft, Schreibzimmer und Pforte sowie Speiseräume für Altenheimbewohner und Personal sowie die Küche. Im ehemaligen Labor wurde die Beschäftigungstherapie untergebracht und der Operationssaal wurde ein Gemeinschaftssaal, der auch heute noch für Veranstaltungen dient. Die Zahl der Pflegeplätze stieg von 35 auf 42.

Im November 1978 bewarb sich die Katholische Gesamtkirchengemeinde Friedrichshafen um die Betriebsträgerschaft für das Alten- und Altenpflegeheim, bekam im darauffolgenden Jahr den Zuschlag und begann mit der Organisation des neuen Alten- und Altenpflegeheims, in dem auch die Bewohner des bisherigen städtischen Altenheims in der Keplerstraße Platz fanden. Am 24. Mai 1980 fand die Einweihung statt. Insgesamt kostete der Umbau 8,9 Millionen Mark, mit dem 37 Altenheimplätze und 42 Pflegeheimplätze geschaffen werden konnten, die ihren Betrieb 1988 aufnahm.

1989 folgte ein neues Konzept und die bisher größten Umbau- und Sanierungsarbeiten für das Haus begannen. Es war geplant, alle Zimmer zu Pflegezimmern umzubauen, um mehr Altenpflegeplätze in Friedrichshafen zu schaffen. Es sollten vor allem die Türen für den Pflegebettentransport verbreitert und die Nasszellen barrierefrei umgebaut werden, damit die Bewohnerinnen und Bewohner auch bei Pflegebedürftigkeit in ihren Zimmern bleiben konnten. Außerdem sollte die Belegungsdichte reduziert werden. Einige der Zimmer teilten sich sogar bis zu drei Bewohner.

Durch die Reduzierung der Belegdichte mussten zunächst weniger Plätze in Kauf genommen werden, die durch einen Ausbau des östlichen Dachgeschosses ersetzt wurden. In allen drei Pflegegeschossen sollten jeweils zwei Pflegearbeitsräume, zwei Pflegebäder, zwei Wohnbereichsküchen und je ein Schwesternzimmer entstehen, um lange Wege zu verkürzen und das Personal zu entlasten. Die Konzeption sah auch Veränderungen der Großküche vor, zum Beispiel ein Förderband und ein Lastenaufzug. Auch die Lagerräume im Untergeschoss mussten den hygienischen und lebensmittelrechtlichen Vorschriften angepasst und saniert werden.

Im Erdgeschoss mussten unter anderem Räumen für Tagesgruppen geschaffen werden. Im Zuge dessen zog die Verwaltung vom Ost- in den Westtrakt. Der Speisesaal wurde modernisiert und als Cafeteria erweitert, im ersten Obergeschoss entstand ein Nachtcafé für Bewohnerinnen und Bewohner, die abends gerne länger aufbleiben. Daneben wurden zahlreiche weitere Umbau- und Sanierungsmaßnahmen eingeplant: der Bau von Umkleiden, Personalaufenthaltsräume, teilweise Neugestaltung der Außenanlagen, Umbau verschiedener Funktionsräume, Sanierung des Festsaals sowie die Sanierung der Treppenhäuser West und Ost.

Außerdem wurden Dach und Fassade saniert sowie die Haupttreppenanlage des Hauses und die Terrasse über dem Haupteingang. Der Gemeinderat genehmigte insgesamt 18,3 Millionen Mark für die Umbau- und Sanierungsmaßnahmen, inklusive der Kapellen-Neugestaltung und einer neuen Sitzfläche im Park.

1990 kündigte die Katholische Gesamtkirchengemeinde Friedrichshafen nach zehn Jahren den Vertrag und der Gemeinderat übertrug die Trägerschaft an die Verwaltung des städtischen Krankenhauses. Nachdem das Karl-Olga-Haus mit einem Heimleiterwechsel 1994 zum Amt innerhalb der Stadtverwaltung Friedrichshafen erklärt wurde, endete auch die Betriebsträgerschaft des Krankenhauses.

Anfang 2000 wurde der Umbau nach mehr als zehnjähriger Bauzeit abgeschlossen.